Wöchentliche Andacht in Zeiten der Corona-Krise

Die Andacht Urde verfasst von Pfr. Dietrich Schüttler, Bergneustadt

Andacht:  Beziehungsweise Gott – Gott ist für mich da

Die Andacht zum Sonntag Trinitatis und zum Wochenspruch: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2. Korinther 13, Vers 13) schreibt Pfarrer Dietrich Schüttler aus der Kirchengemeinde Bergneustadt.

Lange habe ich es als Pastor nicht mehr gesprochen, dieses Bibelwort, mit dem ich normalerweise die gottesdienstliche Gemeinde von der Kanzel grüße. Ich vermisse unsere Gottesdienste, wie ich sie seit eh und je kenne und liebe. Das Gegenüber einer nah beieinandersitzenden Gemeinde. Das gemeinsame Singen. Das Händeschütteln am Ausgang, auch eine Umarmung. Sicher, unsere K4-Online-Gottesdienste zum Beispiel sind ein wunderbares, neues Erlebnis. Aber eine direkte Gemeinschaft ist durch nichts zu ersetzen.

Am heutigen Sonntag gehen Christen der Frage nach, wer Gott ist und wie Gott ist. In der Bibel lesen wir, wie Menschen Gott erfahren haben, ja, wie er sich selbst „geoffenbart“, gezeigt hat. Gott ist kein Produkt menschlicher Vorstellungen. Er ist auch nichts Überkommenes, Überholtes. Der ewige, lebendige Gott ist für uns da. Gott ist ein den Menschen zugewandter Gott. Ein sich uns schenkender Gott. Ein sich mit uns – sogar im Leiden – verbindender Gott. Ein uns in die Zukunft führender Gott. Ein uns seinen Himmel öffnender Gott. Und so erzählt auch dieser Wochenspruch von der Daseinsweise Gottes in dreifacher Gestalt:

Gott ist für mich da – als der Sohn Jesus Christus – mit seiner Gnade

„Jesus first“, so könnte man modern sagen. Der Wochenspruch beginnt mit dem „Herrn Hauptsache“, wie Martin Luther Jesus Christus mal bezeichnet hat. Ja, für Christen darf ihr Namensgeber an erster Stelle stehen. Christen sind Jesusleute. In diesem Jesus haben wir es mit Gottes Gnade zu tun bekommen. „Gnade“, diese Wortschöpfung Luthers bedeutet: Gott nimmt mich an, so wie ich bin. Ohne Vorbedingung. Unverdient. Ja, Jesus hat sich sogar für mich hingegeben – bis in die tiefste Tiefe seines Todes am Kreuz. Damit ich, von Schuld erlöst und mit neuem Leben beschenkt, am Ende wie er zum Vater kommen kann.

Gott ist für mich da – als der Vater – mit seiner Liebe

Christlicher Glaube ist – wie kein anderer – ein Glaube an die entschiedene Liebe des Höchsten. Alles Leben ist ein Geschenk seiner Liebe. Gewollt und vor allem aus freier Liebe gegeben. In seiner Liebe ist und bleibt Gott für mich da. Wie ein Vater für sein Kind. Ich kann ihm vertrauen. Ihm manches anvertrauen wie keinem anderen. Ehrlich zu ihm sein. Bei ihm zur Ruhe kommen. Wer kann so für mich da sein, wie er?! Niemand! Ich darf ihm geben, was ich kann. Weil er meine Stärken – und auch meine Schwächen – kennt. Als barmherziger Vater wird er seine Liebe verlässlich durchhalten.

Gott ist für mich da – als der Heilige Geist – mit seiner Gemeinschaft

Gerade haben wir das Pfingstfest gefeiert. Seit dem ersten Pfingsten gilt, was Paulus geschrieben hat: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Römer 5, Vers 5). Der Heilige Geist will uns in der Liebe verbinden. Über alle menschengemachten Grenzen hinweg. Entschieden ökumenisch. Gottes Geist will uns geradezu zu Trennungsüberwindern machen. Auch jetzt, wo man mit Rücksicht auf die Gesundheit der Mitmenschen auf Abstand bleibt, verbindet Gottes Geist Christen miteinander in ihrem Glauben.

Was uns Gott so schenkt, das „sei mit euch allen“, wünscht uns Paulus. Das ist sein Segenswunsch am Ende seiner Briefe an die Gemeinde in der griechischen Hafenstadt Korinth. So wie Gott jeden Tag für mich da ist, so kann ich jeden Tag bewusst in der Beziehung mit ihm leben. Ob ich viruskrank daniederliege oder „fit wie ein Turnschuh“ durch den Tag laufe …Gott ist für mich da – als der Vater, als der Sohn und als der Heilige Geist.

Ein Glaubenslied

Wir können mit den Worten eines neueren Glaubensliedes beten:

Herr, du bist mein Leben, Herr du bist mein Weg.

Du bist meine Wahrheit, die mich leben lässt.

Du rufst mich beim Namen, sprichst zu mir dein Wort, 

und ich gehe deinen Weg, so lange du es willst,

mit dir hab ich keine Angst, gibst du mir die Hand,

und ich bitte, bleib doch bei mir.

Jesus, unser Bruder, du bist unser Herr,

ewig wie der Vater, doch auch Mensch wie wir.

Dein Weg führte durch den Tod in ein neues Leben.

Mit dem Vater und den Deinen bist du nun vereint.

Einmal kommst du wieder, das sagt uns dein Wort,

um uns allen dein Reich zu geben.

Du bist meine Freiheit, du bist meine Kraft.

Du schenkst mir den Frieden, du schenkst mir den Mut.

Nichts in diesem Leben trennt mich mehr von dir.

Denn ich weiß, dass deine Hand mich immer führen wird.

Du nimmst alle Schuld von mir und verwirfst mich nie,

lässt mich immer ganz neu beginnen.

Vater unsres Lebens, wir vertrauen dir.

Jesus unser Retter, glauben wolln wir dir.

Und du, Geist der Liebe, atme du in uns.

Schenke du die Einheit, die wir suchen in der Welt.

Und auf vielen Wegen führe uns ans Ziel.

Mache uns zum Samen der Liebe.

Amen.

Ihr Pfarrer Dietrich Schüttler

ANHANG:

Themenbild Trinitatis. Bildzeile: Beziehungsweise Gott: Gott ist für mich da in dreifacher Gestalt als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Foto: Pixabay

Dietrich Schüttler. Bildzeile: Dietrich Schüttler hat die K4-Onlineandachten gestaltet, aus dem Kooperationsraum Bergneustadt, Derschlag, Lieberhausen, Wiedenest, die auf YouTube zu sehen sind. Vor der Gemeinde zu stehen und mit der Gemeinde Gottesdienst zu feiern, vermisst er. Foto: Kirchengemeinde Bergneustadt

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