Wöchentliche Andacht

Andacht des Kirchenkreises in Corona-Zeiten

Der Kirchenkreis veröffentlicht jedes Wochenende eine Andacht aus dem Kirchenkreis. Wir freuen uns, wenn Sie den Link verwenden:

Andacht: Vom Verlieren und Suchen

Zum Wochenspruch „Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“ (Lukas 19,10) schreibt Prädikantin Vera Gast-Kellert.

Verlieren und suchen – das sind zwei Tätigkeiten, mit denen ich mich gut auskenne. Mein Mann lacht, wenn er mich auf der Erde und in den Ecken herumrutschen sieht auf der Suche nach einem verlorenen Gegenstand. Das braucht viel Geduld und ist doch nicht immer mit Erfolg gekrönt.

Suchen ist in der gegenwärtigen Situation eine globale Hauptbeschäftigung: Suchen nach vernünftigen Verhaltensweisen, nach wirksamen Medikamenten, nach wirtschaftlichen Sofortmaßnahmen, längerfristigen Veränderungen und für einige auch nach einem oder mehreren Schuldigen. Und verloren scheint auch vieles – vielleicht der Sommerurlaub, die Zeit in der Zwangs-Quarantäne, die Hoffnung auf einen neuen Impfstoff. Und viele Menschen weltweit fühlen sich verloren und ausgeschlossen.

So springen mir in dem Wochenspruch „Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“ (Lukas 19,10) zuerst  diese beiden Verben „verlieren und suchen “ in die Augen. Ich lese den Kontext, die Geschichte, in der Jesus auf seinem Weg durch Jericho den Zollbeamten Zachäus auf-sucht und be-sucht. Der kleine Zachäus ist auf einen Baum gestiegen, um Jesus wenigstens von oben zu sehen, und Jesus nimmt ihn wahr, spricht ihn an und lädt sich bei ihm zu Gast ein. Auf das verständnislose Murren der Umherstehenden, weil Zachäus keine reine Weste hat, antwortet Jesus mit diesem Satz: „Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Er erklärt in wenigen Worten den Sinn seines Lebens und Gottes Handeln in der Welt.

Ziel des Suchens und Findens

Da fällt mir das dritte Verb auf  – „selig machen“. Ziel des Suchens und Findens  ist nicht, die Menschen bloß zu stellen, ihnen ihre Verfehlungen vorzuhalten, auch nicht bei Zachäus. Manchmal haben wir dieses Bild von Gott. Nein, das Ziel ist unsere „Seligkeit“, unsere Rettung und Erlösung, wie es auch übersetzt wird, ein gelungenes, sinnvolles, erfülltes und frohes Leben. Für Zachäus bedeutet das, dass Jesus ihn be-sucht, seine Gastfreundschaft genießen will, dass er nicht von den anderen ausgestoßen wird, nicht verloren ist, nein, dass Freude in sein Haus einzieht, eine neue Gemeinschaft und dass er selbst sein Leben ändert.

Und was vor 2000 Jahren für Gott galt, das ist auch heute wahr. Gott sucht uns, be-sucht uns auch in Zeiten der Kontaktbeschränkungen. Er gibt uns nicht verloren. Er sucht und be-sucht uns auf vielerlei Weise – in der liebevollen Zuwendung so vieler Menschen, auch in Mails, WhatsApps und Telefonaten, in den kreativen Online- und TV-Gottesdiensten, aber auch in den bohrenden Fragen nach einem verantwortlichen Lebensstil, privat und global. Er ist bei uns, wenn wir im Suchen ungeduldig werden und schenkt uns seinen langen Atem, wenn uns der Atem auszugehen droht. Das Verlorene – auch die vermeintlich verlorene Zeit – kann zu einem neuen Leben werden, weil Gott es verwandelt.

Unter den „Biblischen Erzählliedern“ in unserem rheinischen Evangelischen Gesangbuch findet sich unter Nummer 637 das Lied von Marianne Stoodt über Zachäus. In der vierten Strophe heißt es: Zachäus, froher kleiner Mann, dein Heiland sieht dich an! „Lässt du mich in dein Haus hinein, dein Gast will ich noch heute sein!“

So angesehen dürfen wir frohe Menschen sein, in dieser Zeit und in Zukunft und somit systemrelevant! Und wenn ich wieder verzweifelt etwas suche, summe ich die Melodie des Zachäus-Liedes. Dann macht das Suchen sogar Freude, und ich bete:

Wir wollen befreit und mutig aufbrechen

Barmherziger Gott. Verstörende Nachrichten erreichen uns, aus Amerika oder Brasilien und vielen Teilen der Welt, wo sich Menschen verloren fühlen. Auch wir haben oft Angst, zu Verlierern zu werden. Und so verlieren wir den Sinn für Mitmenschlichkeit, fürs Mitfühlen und füreinander. Wir bitten dich: be-suche uns, hilf uns, dass wir zur Besinnung kommen. Berühre uns mit deinem Geist, schenke uns deinen lebensspendenden Atem, damit wir klarer erkennen und tun, was du von uns erwartest. Schenke uns jeden Tag Momente der Stille, in denen wir uns auf dich ausrichten können um dann befreit und mutig aufzubrechen.

Amen

Vera Gast-Kellert, Prädikantin der Evangelischen Kirchengemeinde Gummersbach, Mitglied des Ausschusses für Mission und Ökumene des Kirchenkreises An der Agger

Hilfsaktion „Lebensmittel für Medan Aceh und Dairi“

In den beiden indonesischen Partnerkirchenkreisen, Medan Aceh und Dairi, herrscht aufgrund der Corona-Situation eine große Not. Dort werden mit Unterstützung des Kirchenkreises An der Agger seit zehn Wochen Lebensmittelpakete gepackt. Nur 6,20 Euro reichen für eine Familie und für eine Woche.

Der Kirchenkreis An der Agger finanziert für den Kirchenkreis Medan Aceh wöchentlich 400 Lebensmittelpakete, für den Kirchenkreis Dairi wöchentlich 200 Lebensmittelpakete für zehn Wochen. Aktuell kann die Hilfsaktion dank vieler Spenden über insgesamt 9600 Euro für zwei Wochen verlängert werden.

Um die Aktion noch weiter verlängern zu können, bittet der Kirchenkreis nochmals um Kollekten und Spenden auf das Konto des Kirchenkreises bei der KD-Bank (Bank für Kirche und Diakonie) eG Dortmund. Jede Summe hilft und ist ein Zeichen gelebter Nächstenliebe weltweit.

Spendenkonto

„Lebensmittelpakete für Medan und Dairi“

IBAN: DE16 3506 0190 1010 1060 16

ANHANG

Vera Gast-Kellert in Indonesien. Bildzeile: Superintendent Sunggul Sirait und Vera Gast-Kellert feiern die  Eröffnung der Kirche Reminiscere im Großraum Medan.

Nommensen-Grab. Bildzeile: Auf Sumatra besuchten Vera Gast-Kellert (rechts) und Superintendent Sunggul Sirait mit ihren Ehepartnern im März 2019 das Grab von Missionar Ludwig Ingwer Nommensen, Gründer der Toba-Batak-Kirche. Die PartnerkirchenkreisesMedan Aceh und Dairi sind stark von der Corona-Pandemie betroffen. Mit einer kleine Spende von 6,20 Euro kann eine Familie eine Woche lang leben. Fotos: privat

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