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Wochenandacht

Andacht: Darüber freut er sich am meisten

„Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig“ (Jesaja 40,3.10). Eine Andacht zum dritten Advent von Pfarrer Markus Aust. Er bereitet sich in vier Schritten auf die Ankunft Jesu vor

Haben Sie auch schon mit den Vorbereitungen für das Fest begonnen? Gewiss, in diesem Jahr wird alles stiller, leiser, vorsichtiger, kleiner. Aber Vorbereitungen finden trotzdem statt, oder?

Für mich gehören vier Schritte zur Vorbereitung: 1. Geschenke besorgen. 2. Großreinemachen 3. Für das Festessen sorgen. 4. Mit Deko und Lichtern alles behaglich und wohnlich machen.

Wie bereite ich aber das Kommen von Jesus Christus, dem Friedefürsten, dem Immanuel, dem Heiland in meinem Lebenshaus vor? Eigentlich mit den gleichen vier Schritten, nur anders:

Wenn ich ihn in mir leuchten lasse

1. Ich schenke ihm mein Herz, darüber freut er sich am meisten, das weiß ich.

2. Ich mache in mir sauber, und zwar gründlich. Gewissensprüfung nannten das die Altvorderen: Wo bin ich zu stolz, zu gleichgültig, zu unversöhnlich, zu hartherzig, zu geizig, zu zynisch, zu ignorant, zu überheblich, zu rechthaberisch, zu unachtsam? Im stillen Hören lasse ich es mir von ihm zeigen.

3. Ich freue mich aufs Festessen. Das bringt er mit. Wenn er bei mir ankommt und meine Seele satt macht wie ein frisch gestilltes Kind an der Mutterbrust.

Und last not least 4.: Wenn ich ihn, das Licht der Liebe und das Licht des Friedens, in mir leuchten lasse und anfange zu strahlen – für die Welt, für die Zukunft, für das Leben in Schönheit und Freiheit.

Baut eine Straße zu Gott

Und dann wird es sogar politisch, wie Christa Peikert-Flaspöhler es zum Ausdruck gebracht hat:

„Eine Stimme steht auf in den Dschungeln der Macht. Sie erhebt sich in den Sümpfen der Gewalt, in Kratern der Unmenschlichkeit. Eine Stimme steht auf und ruft: Baut eine Straße der (Schwester- und) Brüderlichkeit! Baut eine Straße zu Gott! Jede Sperre der Freiheit soll weggeräumt, jeder Wall der Vorrechte abgebaut werden. Jeder Stacheldraht soll entflochten, jedes Todeswerkzeug entmachtet werden. Eine Stimme steht auf und ruft: Baut eine Straße des Friedens! Baut eine Straße zu Gott.“

Mit Ernst, o Menschenkinder

Veralteter, aber in nichts dem Modernen nachstehend, lauten die wunderbaren Liedstrophen aus dem Lied Nr. 10 unseres Gesangbuchs: „Mit Ernst, o Menschenkinder“

2.Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, lasst alles, was er hasst; macht alle Bahnen recht, die Tal lasst sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlicht.

3.Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet,
mit Angst zugrunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ.

Eine gesegnete Vorbereitungszeit wünscht Ihnen

Ihr Markus Aust, Pfarrer in Gummersbach

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115 Geschenktüten übergegeben

Herzlichen Dank an alle Gemeindeglieder und Freunde, die sich an der Geschenktütenaktion für unser Ev. Seniorenzentrum beteiligt haben. Heute Morgen konnten wir 115 Geschenktüten für BewohnerInnen und MitarbeiterInnen überreichen.

Auf dem Foto sehen Sie Helena Müller vom Seniorenzentrum, Pfr. Krüger, Pfrin. i.R. Koch-Hein und Pfr. Aust

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Wochenandacht im Advent

Andacht: Meine Hand für andere

„Seht auf, und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“ (Lukas 21,28). Eine Andacht von Vera Gast-Kellert

Es ist erst wenige Wochen her, da erschütterte die Nachricht vom Erdbeben in Izmir die Welt. Immer wieder frage ich mich, wie das wohl sein muss, lebendig unter Trümmern begraben zu sein, auf Hilfe zu hoffen, jede Minute. Vielleicht ein Klopfen zu hören, ein Hoffnungszeichen. Und dann dringen ein Lichtstrahl und eine helfende Hand zu mir und jemand zieht mich heraus. So mag es der dreieinhalb Jahre alten Elif bei Izmir ergangen sein. Verschüttet hat sie sich 65 Stunden an dem Finger eines Feuerwehrmanns festgehalten. Und sie schaffte es zu überleben.

Der Wochenspruch für den zweiten Advent „Seht auf, und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“ (Lukas 21,28) ist hineingesprochen  in eine Welt, die auch zusammenzustürzen scheint, zusammenzustürzen wie die Gebäude bei Izmir. Die Verse aus dem 21. Kapitel des Lukasevangeliums beschreiben das Ende der Welt in erschütternden Bildern. Zeichen am Himmel,  verheerende Unwetter – und die Menschen vergehen vor Angst. Die ersten Christengemeinden mussten unter Ungerechtigkeit und Verfolgungen leiden und sahen darin die Anzeichen eines Zusammenbruchs der Welt mit kosmischen Ausmaßen.

Das zu Ende gehende Jahr gibt uns ein Gefühl dafür, was es heißt, wenn Sicherheiten wanken und zusammenzustürzen scheinen – bedrohliche Klimaveränderungen, nationalistische Kriege, fundamentalistischer Terror, Flucht und Vertreibung mit weltweiten Folgen und Corona als lebensbedrohliche Krankheit mit globalen Ausmaßen. Wir können jetzt vielleicht ein wenig besser verstehen, was es heißt, die Zukunft nicht genau berechnen, nicht alles sicher planen zu können. Wir können ein wenig nachfühlen, was das für Menschen weltweit immer schon bedeutet.

Doch inmitten der Bedrohung lebten die frühen Christengemeinden in der Gewissheit, am Ende sei ihnen und der ganzen Welt Erlösung versprochen. Sie hörten den Zuspruch „Seht auf, und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“. Der Evangelist Lukas wird von der Sorge umgetrieben, dass die Menschen sich von der Angst überwältigen lassen und die Hoffnung verlieren. Deshalb richtet er ihren Blick, unseren Blick,  nach vorne auf Gottes Möglichkeiten, auf die Erlösung, die er bringt, auf die große Hoffnung, die die ganze Geschichte Gottes mit seinem Volk und mit der Welt durchzieht.

Advent zu feiern in diesen Zeiten bedeutet für mich, wie Elif in Izmir an der zu mir ausgestreckten Hand festzuhalten und meine Hand für andere auszustrecken, die Halt und Hilfe brauchen. Ich freue mich, dass Volker Ochs 1980 diesen Vers aus Lukas 21,28 vertont hat und lasse ihn in mir klingen.

Mit diesem Vers im Herzen und auf den Lippen wünsche ich allen einen gesegneten zweiten Advent.

Ihre Vera Gast-Kellert

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Diakoniesammlung findet wegen der Pandemie nicht statt- deshalb bitte überweisen

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Unterstützen Sie unsere Gemeinde mit Ihren online-Bestellungen

Liebe Gemeindemitglieder,

unsere ehemalige Presbyterin Rosi Berger hat mich auf die Organisation „We can help“ hingewiesen. Wenn man über sie bestellt, und Sie unsere Gemeinde registriert haben, bekommen wir für jede Bestellung eine kleine Zuwendung. Das läppert sich bei einer Menge Bestellungen.

Natürlich sollen wir auf keinen Fall den Einzelhandel vergessen und am meisten dort einkaufen, aber wer dennoch online bestellt, sollte wenigstens dabei Gutes tun.

Unsere Einrichtung

Evangelische Kirchengemeinde Gummersbach, Von-Steinen-Str. 2, 51643 Gummersbach
Bitte ein Lesezeichen setzen auf: www.wecanhelp.de/551643002
Kennung: 551643002
Kontoinhaber: Evangelische Kirchengemeinde Gummersbach
Gemeinnützigkeit nachgewiesen

Markus Aust

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Wochenandacht

Andacht: Das ausschlaggebende Gewicht 

„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“ 2. Korinther 5,10. Die Andacht dazu schreibt Pfarrer Oliver Cremer aus der Evangelischen Kirchengemeinde Rosbach in Windeck

Unsere vier Töchter liebten den Kaufladen in der Spielecke des Kinderzimmers. Zur Ausstattung gehörte auch eine schlichte Balkenwaage. Auf der einen Seite lagen die Gewichte, auf der anderen Seite eine Möhre oder ein Apfel aus Holz. Je nachdem wie die Waage ausschlug, wurde vor dem „Verkauf“ noch etwas dazu gelegt oder weggenommen. Denn es war unseren Kindern wichtig, dass der Verkauf gerecht war.

Auch unserem Gott liegt die Gerechtigkeit am Herzen. Da ist zum einen die göttliche Gerechtigkeit, die Gott selbst inne hat, und an der er uns unverdient teilhaben lässt. Davon haben wir noch vor gut zwei Wochen beim Reformationsfest gehört. Zum anderen die Gerechtigkeit, mit der er kraftvoll und letztgültig seine neue Welt durchsetzen wird. Hierher gehört auch die Szene, die im Wochenspruch für den vorletzten Sonntag des Kirchenjahres vorgestellt ist: Alle Menschen werden einmal vor Gott und seinem Christus stehen. Dabei wird Gott das tun, was uns hier auf Erden nur bruchstückhaft gelingt: Er wird sagen, was gut, gerecht und seinem Willen entsprechend war und genauso sagen, was böse, ungerecht und gegen seinen Willen war.

Opfer von Krieg und Gewalt bekommen ihre Würde zurück 

Manch einen mag das erschrecken, aber für Paulus ist das aus zwei Gründen etwas Positives: Zum einen wird dabei erlittenes Unrecht und grausames Leid als solches benannt. Damit bekommen gerade die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, an die wir auch in diesen Tagen gedenken, etwas von ihrer Würde zurück. Zum anderen kann das, was auch in meinem Leben dem Willen Gottes nicht entsprochen hat, durch das Gericht seine Macht und damit sein Gewicht verlieren.

Unsere Verfehlungen, die uns nachgehen und die oft eine große Last sind, werden dadurch leichter. Sie werden quasi durch Jesus aus der einen Waagschale genommen. Übrig bleibt Gottes Liebe in der anderen Waagschale. Diese Liebe hat das ausschlaggebende Gewicht über unserem Leben. Gestern, heute und in Ewigkeit.

Ihr 

Oliver Cremer

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Wochenandacht

Andacht: Ein Zustand des Glücks

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ So findet sich der Wochenspruch für die kommende Woche in Matthäus 5,9 in unserem liturgischen Kalender. Eine Andacht von Pfarrer Matthias Weichert

„Das Adjektiv selig bezeichnet: einen religiösen Begriff, siehe Seligsprechung oder: den Zustand völliger Erlösung, siehe Seligkeit.“ So definiert es Wikipedia. Um selig gesprochen zu werden, bedarf es eines Martyriums oder eines nachgewiesenen Wunders. Das ist sehr aufwändig und per se für einen Evangelischen nur schwer zu erreichen. Ob man das auch so will, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Seligkeit bezeichnet aber auch einen Zustand der vollendeten Erlösung beziehungsweise des Heils, aber auch des Glücks.

Ich schließe mich der an letzter Stelle genannten Definition an – ein Zustand des Glückes ist es, Frieden zu stiften. Dabei sollte nicht davon ausgegangen werden, dass der Frieden mit dem verwechselt wird, dass alle Konflikte unter den Teppich gekehrt werden – nein, es ist ein Flow der dann aufkommt, wenn wir völlig losgelöst von dem, was uns umgibt, uns ganz und gar einer Sache verschrieben haben – ein Gefühl was aufkommt beim Laufen – oder Segeln…

Und aufkommt, wenn es gelingt in diesen Zeiten in denen wir leben, Frieden zu stiften – in der Bedeutung von entwickeln, unterstützen und herbeiführen.

Erinnert sei an eine Geschichte, in der ein gutes Bild zum wahren Frieden gesucht wurde. Preisträger war folgendes Motiv: Ein rauschender Wasserfall fällt donnernd in die Tiefe. Der Himmel bedeckt mit dunklen Wolken, es mag ein Unwetter kommen. Aber diejenigen, die das Bild ganz genau betrachten, können neben den niederstürzenden Wassermassen auf einer Klippe neben dem Wasserfall einen Vogel in einem Nest erkennen. Der Vogel liegt darin geborgen – trotz allem Getöse. „Das ist das Gemälde, das den Preis verdient. Denn wahrer Friede ist nicht die Abwesenheit des Sturms, sondern die Ruhe inmitten des Sturmes.“ So die Jury. Glücklich sind die, die wahren Frieden stiften, entwickeln, unterstützen und inmitten des Sturmes sich geborgen wissen.

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Wochenandacht

Andacht: Der göttliche Impfstoff

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ | Römer 12,21. Die Wochenandacht für den 21. Sonntag nach Trinitatis schreibt Klaus Dripke, Mitglied des Kreissynodalvorstands

Wir leben in einer Zeit, in der wir von den Nachrichten über Infektionsraten, Inzidenzen und Risikogebieten förmlich überschwemmt werden. Dabei gibt es eine Art der Ansteckung, die für uns viel gefährlicher ist als das Corona-Virus: die Ansteckung durch das „Böse“. Das Böse als Hass und Hetze, Lüge und Niedertracht gibt es vielleicht nicht mehr als früher, dafür aber kann es sich heute sehr leicht in den sozialen Medien artikulieren.

Und was passiert? Das Böse setzt sich in Resonanz mit allen, die es lesen, sehen oder hören, und weckt in ihnen Gleichartiges. Die einen finden die Äußerungen interessant und attraktiv, machen sie sich zu eigen und stimmen bald in den Chor der Hetzer und Hasser ein. Die anderen finden das unerträglich, empören sich und giften in ähnlicher „Stimmlage“ dagegen. Ablehnung trifft auf Ablehnung, Verachtung auf Verachtung, Rechthaberei auf Rechthaberei. Wenn es ein böses, zentrales Bewusstsein gibt, dann kann es jetzt breit und triumphierend grinsen.

So sind wir leider „gestrickt“: Alles, was uns falsch und negativ erscheint, weckt das Bedürfnis nach „Beseitigung“, und die Geschichte der Menschheit bis in die Gegenwart ist voller schrecklicher Beispiele dafür, wie der Vernichtungswille gegenüber „falschen“ Meinungen, Überzeugungen, Kulturen, Lebensformen bis ins Brutalste hinein wirksam wurde und wird.

Jesus wusste das genau und er hat eindringlich davor gewarnt: „Ihr habt gehört, dass den Alten geboten worden ist ›Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen!‹ Ich dagegen sage euch: Liebet eure Feinde und betet für eure Verfolger, damit ihr euch als Kinder eures himmlischen Vaters erweist. Denn er lässt seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und lässt regnen auf Gerechte und Ungerechte.“ (Matthäus 5, 44-45)

Gott ist es ein Leichtes, alles Böse mit einem Willenshauch auszulöschen, aber in und durch Jesus will er etwas ganz anderes: dass wir mit und durch ihn (also mit seiner Hilfe und Unterstützung) die nötige Gelassenheit aufbringen, um dem so deutlich Negativen mit Freundlichkeit, Geduld und Güte zu begegnen, ohne es dabei an Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit fehlen zu lassen. Das ist nicht leicht, aber die einzige Möglichkeit der Immunisierung gegen die permanente Ansteckungsgefahr, selber negativ zu werden. Dabei brauchen wir nicht einmal auf einen Impfstoff zu warten, denn der steht schon längst zur Verfügung: Es ist die Liebe Christi, mit der Jesus in uns wirksam werden will. Nehmen wir doch sein Angebot an!

Klaus Dripke 

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Wochenandacht

Andacht: „Alles klar, oder?“

Die Wochenandacht schreibt Pfarrer Michael Striss aus Lieberhausen

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8)

„Ich habe dir schon hundertmal gesagt, du sollst dein Zimmer aufräumen!“ An diese Mahnung der Eltern an das Kind erinnert mich das Wort des Micha. Die Handlungsanweisung ist hier wie dort eindeutig und unmissverständlich. Und schon so oft gesagt! Wenn sie nicht befolgt wird, kann es also weder daran liegen, dass sie zu schwammig formuliert wäre, noch dass man von nichts gewusst hätte.

Ulrich Schacht wurde im DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck geboren, verbrachte als junger Erwachsener wiederum drei Jahre in politischer Haft, wurde nach seinem Freikauf in der Bundesrepublik Schriftsteller und später Mitbegründer einer evangelischen Ordensgemeinschaft. Bei ihm habe ich den Satz gelesen: „Die Welt ist kompliziert genug, da muss man nicht auch das Eindeutige differenzieren.“  

Vor dem Eindeutigen aber können wir uns nur schwerlich drücken. Außerdem haben wir gelernt, Differenzierungen seien immer gut – schon um uns vor einfältigem Schwarz-Weiß-Denken wie an dem oft zitierten „Stammtisch“ zu hüten. Daher ist man vorsichtig und fragt erstmal zurück: „Wie ist das denn gemeint?“

Solches aber ist nichts für Jesus

Sicher: Manchmal ist tatsächlich ein kritischer Geist gefragt, der hartnäckig nachfragt. Manchmal aber flüchten wir uns auch nur in Rückfragen. Da wollte Jahrhunderte nach dem Propheten Micha mal einer wissen, was gut und gerecht sei vor Gott. Jesus sagt ihm: „Liebe Gott und deinen Nächsten!“ Eine klare Aus- und Ansage. Der Fragende könnte dankbar sein für die eindeutige Antwort. Stattdessen aber stellt er die Rückfrage: „Wer, bitte schön, ist denn mein Nächster?“ Vielleicht hofft er auf Differenzierung: Der gehört dazu, jener nicht… Das nämlich würde die zunächst unmissverständliche Antwort relativieren und ihre Schärfe nehmen. Solches aber ist nichts für Jesus.

Der Prophet Micha gab auf Fragen des Volkes Israel eine ähnliche  Antwort wie Jesus: „Ihr sollt den aus der Bibel erkannten Willen Gottes tun, beständig lieben und euch weder über Gott noch andere Menschen überheben.“ Damit ist eigentlich alles gesagt. Wir brauchen darüber weder ständig zu diskutieren noch abzustimmen, sondern es nur zu tun.

Aktuell erwarten Menschen von den Kirchen und ihren Verantwortlichen geistliche Deutungsangebote, die ihnen helfen und Orientierung geben, die eine andere Perspektive aufzeigen als sie Politik oder Virologie zu geben vermögen. Auch hierbei helfen Verundeutlichungen keinen Deut weiter. Natürlich wissen auch Christen nicht alles. Aber einiges schon: „Es ist dir gesagt, Mensch…“.  

Mit herzlichem Gruß

Ihr Pfarrer Michael Striss, Kirchengemeinde Lieberhausen

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Andacht: Kleines Lob des Zorns

Die Wochenandacht  zum 19. Sonntag nach Trinitatis kommt von Pfarrer Hans-Georg Pflümer 

22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn 24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. 25 Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. 26 Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. (…) 32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. Epheser 4,22-26.32

Am Sonntag, liebe Leserinnen, liebe Leser, ist obenstehender Abschnitt aus dem Epheserbrief für die Predigt vorgeschlagen. Und ich kann schon viele Kolleginnen und Kollegen darüber predigen hören, wie verwerflich Zürnen ist und wie gut versöhnen ist. Und das ist ja auch nicht falsch. Aber ich sehe das ein wenig anders. Denn das mit dem Zorn ist ja nicht immer so einfach. Das, was der Verfasser des Epheserbriefes fordert: „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen“ Manchmal hat man seinen Zorn nicht im Griff. Manchmal ist der Anlass auch zu gewichtig, um wieder quasi nach Sonnenuntergang wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Manchmal ist Zorn besser als Nicht-Zorn

Und: Manche Dinge ändern sich nie, wenn es nicht Menschen gibt, die ihrem Zorn über die Ungerechtigkeit oder die Nachlässigkeit auch Raum und Zeit geben. Und viele Dinge sind so ärgerlich, dass es gar nicht zu verantworten wäre, darüber nicht in Zorn auszubrechen. Und deshalb wage ich hier dem biblischen Autor zu widersprechen: Manchmal ist Zorn besser als Nicht-Zorn. Und manchmal ist Zornigbleiben besser als ein Kleinbeigeben.

Es hat mich schon immer geärgert, wenn man unangenehme Dinge deutlich anspricht und das Gegenüber abwiegelt: „Alles ist gut“ oder „Alles wird gut.“ Manchmal braucht es eben auch Emotionen und auch Zorn, damit etwas, das nicht gut ist, wieder gut werden soll.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Der Zorn sollte natürlich nicht beleidigend sein, nicht kleinlich und nicht verletzend. Und ohne Abstriche unterschreibe ich dann den letzten Satz des Predigttextes: „…und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus!“

Ihr Pfarrer

Hans-Georg Pflümer

ANHANG:

Hans-Georg Pflümer.jpg Foto: Marc Platten Bildzeile: Hans-Georg Pflümer ist Schulpfarrer am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Wiehl.