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Andacht: Vorhang auf!

Eine Andacht von Andreas Spierling, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bergneustadt

„Vorhang auf, Bühne frei…! Jetzt geht´s los! Wir sind nicht mehr aufzuhalten.  Jetzt geht´s los, hier spielt die Musik.“ So hat es die Kölner Gruppe „De Höhner“ 1998 auf den Punkt gebracht. Bühne frei, das Leben feiern. Hier hält uns nichts mehr auf. Raus auf die Gassen und die Freiheit miteinander leben. Nein – aufhalten kann uns keiner mehr. Wo wir sind, da spielt die Musik.

Ich finde diesen Gedanken im Blick auf das Pfingstfest faszinierend. Pfingsten hat für mich immer etwas mit Begeisterung zu tun. Irgendwie bleibt kein Stein auf dem anderen und alles wird neu. Da hält es die Menschen nicht mehr auf den Plätzen und sie rufen hinaus, was ihnen auf dem Herzen liegt. Sie erzählen von den wunderbaren Taten Gottes. Gottes Geist hatte ihnen die Herzen geöffnet und nun muss es raus: Gott ist der Schöpfer allen Lebens. Er hat in Jesus seine Geschöpfe aufgesucht und zum Leben durch Tod und Auferstehung befreit. Der Himmel ist offen. Was für eine Begeisterung.

Es bricht sich Bahn, was Jesus seinen Vertrauten gesagt hat: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der zu euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.“ (Apostelgeschichte 1,8)

Auf diesem Hintergrund gönnen Sie sich die Zeit und lesen einmal Apostelgeschichte 2! Es lohnt sich.

Da lässt unser Gott nicht nur ein laues Pfingstlüftchen wehen. Nein – hier darf es mal richtig zur Sache gehen. „Volles Programm“ – würde man heute sagen. Da wird aufgewirbelt, was sich verfestigt hatte, da öffnet sich der Himmel, der zuvor verhangen war. Da ist der Regisseur des Lebens in seinem Geist am Werk. Der Vorhang öffnet sich und die Bühne ist frei. Er stellt die Ausstattung zu Verfügung und befähigt die Akteure zum Handeln.

So erzählen sie aus Begeisterung heraus von den wunderbaren Taten Gottes und alle verstehen es. Das kriegen auch die mit, die bisher in Glaubensdingen sehr zurückhaltend waren. Sie öffnen neugierig ihre Türen und der ein und die andere lassen sich mitreißen zur Feier des Lebens.

Wir sind nicht mehr aufzuhalten – das wünsche ich mir für uns Christen von Herzen, dass uns nichts mehr zurückhält, vom Heiligen Geist befähigt und getrieben von den großen Taten Gottes zu erzählen.

Stimmen Sie heute noch ein: „Unser Leben sei ein Fest. Jesu Geist in unserer Mitte. Jesu Werk in unseren Händen, Jesu Geist in unseren Werken.“ (Evangelisches Gesangbuch 571)

Also: Die Bühne ist frei. Sind wir noch aufzuhalten?

Ihr Pfarrer

Andreas Spierling

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Protestantisch leben in der Pandemie – Eine geistliche Alternative zu Querdenkerei

Theologische Impulse (89) von Dr. Thorsten Latzel, Präses

Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war. Das ist eine harte Erfahrung aus der Corona-Zeit. Am Anfang habe ich noch oft gehört: „Wir verschieben das einfach.“ Sechs Monate nach hinten. Um ein Jahr. Auf irgendwann nach der Pandemie. Wie bei einem Film: kurz auf Pause drücken und dann – nach Corona – weiterschauen. Das Versäumte später nachholen. Doch das geht nicht. Weil das Leben keine Pausetaste hat. Es lässt sich nicht anhalten. Die Zeit ist zu lang geworden und zu viel ist geschehen. – Für das kleine Restaurant am Markt war der Druck zu groß. Der Besitzer ist ausgebremst: von einer 60 Stunden-Woche auf null. – Ihren Schulabschluss wird unsere Tochter nicht mehr nachfeiern. Ihren 18. hat sie noch gefeiert – corona-konform mit genau einer Freundin. – Und viel zu viele Menschen, von denen wir Abschied nehmen mussten. Die Erfahrungen aus den Corona-Monaten werden bleiben. Manche positive, aber vor allem Schulden, Wunden und Verletzungen. Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war. Das ist auch die Erfahrung, aus der die Bibel entstanden ist. Die Bücher des Alten Testaments, die Heiligen Schriften des Volkes Israel, wurden geschrieben, gesammelt nach dem tiefen Einschnitt des Exils. Auch nach der Rückkehr ins verheißene Land war es nicht wieder wie zuvor. Die Zeit dehnte sich und viele Erwartungen erfüllten sich nicht. Jerusalem und der Tempel blieben lange zerstört. Die verwüsteten Orte wurden nicht auf einmal zu grünen Gärten. Die Bücher des Neuen Testaments wurden geschrieben, gesammelt nach dem tiefen Einschnitt von Tod und Auferstehung Christi. Das Kommen Christi und sein Reich ließen auf sich warten. Die Zeit dehnte sich und viele Erwartungen erfüllten sich nicht. Kommt er morgen, nächste Woche, nächstes Jahr, überhaupt einmal? Viele Glaubende starben, unter ihnen alle, die ihn noch mit eigenen Augen gesehen hatten. Die Gemeinden wuchsen, aber auch die Spaltungen nach innen und die Verfolgung von außen. Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war. Damals suchten Menschen Antworten, um Gott und sich selbst zu verstehen. Sie setzen sich hin und schrieben auf, woran sie glaubten. Sammelten Texte, die ihnen Halt und Hoffnung gaben. Durch die sie Gottes Geist erfuhren. Worte, die ihren Glauben durch die Zeiten trugen. Tragfähige Worte: Was hilft uns, uns zu verstehen, da auch unser Leben, unsere Gesellschaft, unsere Kirche nicht mehr so sein werden, wie sie einmal waren? Ein Schlüsseltext dafür ist in dieser Woche vor Rogate das Vaterunser. Das Gebet Jesu Christi lehrt uns, was es heißt, im wahrsten Sinne des Wortes „protestantisch“ zu leben – mitten in der Pandemie. Eine Anrede, sieben Bitten und ein hymnischer Schluss. Mehr nicht. Kurze, knappe Sätze, die mein Denken und Handeln neu ausrichten. Druck-Punkte für meine Seele. Sie versetzen mich heraus aus sorgenvoller Starre hinein in heilsame Bewegung. Zunächst die Anrede. „Vater unser im Himmel“ – wir glauben, dass es mehr gibt, als es gibt. Mehr als Viren, Naturgesetze. Mehr als das, was Menschen machen. Wir glauben, dass es einen Himmel gibt. Und einen Gott, der uns hört. Dass wir durch Gott mit allen Geschöpfen als Geschwister verbunden sind. Mit Menschen, Tieren, Pflanzen. Das verleiht meinem Leben Weite und Heimat: Ich bin nicht allein. Bin geborgen in Gott. Das ist die erste Bewegung: Meine Seele weitet sich, spürt den Himmel in sich. Sie kommt zur Ruhe, findet Heimat in Gott als Schöpfer allen Lebens. Dann die Bitten. Drei Bitten mit „Dein“, vier Bitten mit „unser“. Die zweite Bewegung meiner Seele. Raus aus der Sorge um mich selbst, der selbstfixierten Nabelschau. Hin zum „Du“ und zum „Wir“. Zur Begegnung mit Gott und zur Gemeinschaft mit allen anderen. – „Geheiligt werde dein Name“. Uns ist etwas heilig. Nicht unser eigener Ruf. Nicht der unserer Kirche. Sondern der Name Gottes. Und durch ihn der Name eines jeden Menschen. Wir heiligen Gottes Namen, indem wir den Namen jedes Menschen heiligen. Den Namen unseres Nachbarn, dessen Verhalten uns in der Pandemie ärgert. Von Politiker/innen, Lehrer/innen und überhaupt „denen da oben“, deren Job wir vermeintlich so viel besser machen könnten: Ihr Name ist uns heilig. Wir muten einander Wahrheit zu. Aber wir machen andere nicht schlecht. – „Dein Reich komme.“ Gottes Reich erfahren wir, wo immer Menschen sich um andere kümmern. Erschöpften helfen. Traurige trösten. Mit anderen teilen. Diese Liebesreich Gottes bestimmt auch uns. Uns ist niemand egal. Weil uns in jedem anderen Christus begegnet. So geschieht Gottes Liebeswille unter uns – „im Himmel wie auf Erden.“ – „Unser tägliches Brot gib uns heute“ – Während Corona erfahre ich: Mein normaler Alltag ist eine Gabe, ein Geschenk. „Mein tägliches Brot“: ein Lächeln in der Straßenbahn, die Kaffee-Runde mit den Kolleg/innen, der Besuch im Kino und Stadion, mich mit Freunden treffen. Für viele Menschen war manches davon auch vor Corona keineswegs normal. Ich lerne neu den Wert des Alltags. Bin beschenkt, wenn ich‘s oft nicht merke. – Und ja, wir haben einander viel zu vergeben. Andere mir und ich anderen. Im Nachhinein würde man sicher vieles anders machen. Ich auch. Auch diese Pandemie verleitet dazu, nach Schuldigen zu suchen. Irgendwelchen Irrsinn zu glauben: „und führe uns nicht in Versuchung.“ Zu unserem Glauben gehört: Wir werden nicht von außen bestimmt. Weder durch Viren noch durch Schuld noch Verschwörungsphantasien. Uns bestimmt Gottes Liebe. Sie macht uns frei, mit anderen daran zu arbeiten, wie es nach der Pandemie sein wird. Wenn wir von diesem „Bösen“ erlöst sind. Am Ende des Vaterunsers dann der hymnische Schluss. Viele schwere Begriffe auf wenig Raum: Reich, Kraft, Herrlichkeit, Ewigkeit. Damit kann ich, ehrlich gesagt, oft ziemlich wenig anfangen. Ich bin nicht so der hymnische Typ. In den letzten Monaten sind sie mir aber anders wichtig geworden. Sie beschreiben eine dritte Bewegung meiner Seele. Meine Seele öffnet sich für Gottes Wirklichkeit: Sie geht aus sich heraus, verlässt sich auf Gott, rechnet mit seinem Wirken. Oder kurz gesagt: Sie hofft. Darum geht es im Hymnus: um Hoffnung. Ich lobe Gott und mache mir selbst bewusst: Es wird am Ende gut werden. Weil Gott regiert. Weil Gott die Kraft hat, zu retten. Das ist seine Form der Herrlichkeit: für andere da zu sein. Immerdar. Protestantisch leben – mitten in der Pandemie. Das ist ziemlich exakt das Gegenteil von Querdenkerei. Es geht um Trost und Trotz des Glaubens. Eine tiefe, innere Widerständigkeit aus Gott. Es wird nicht wieder werden, wie es einmal war. Das ist die eine Seite der Wahrheit. Die andere ist: „Gottes Reich kommt.“ Deswegen: Seid trotzig und getrost. Seid füreinander da. Und lasst uns so aus Gottes Liebe leben. Das schenke uns Gott.
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Rogate: Mit Gott in Beziehung leben

„Herr, lehre uns beten! Amen.“ Eine Andacht von Michael Striss, Pfarrer der Kirchengemeinde Lieberhausen zum fünften Sonntag nach Ostern: Rogate – betet!

Mehrfach habe ich in letzter Zeit von der „Pandemie der Einsamkeit“ gehört und gelesen. Demnach fühlen sich zehn Prozent der Deutschen sehr allein. Das Phänomen ist nicht neu, wird aber durch die Corona-Krise deutlich verschärft. Menschen unterschiedlichen Alters beschreiben, was ihnen fehlt: Begegnung, Kommunikation, vertrauensvolle Beziehungen. 

Der Sonntag „Rogate“ ermutigt uns zum Beten. Was ist das? Mancher versteht das Gebet als eine Meditations- oder Entspannungstechnik. Möglich, dass man sich danach besser fühlt. Andere meinen, das sei eben ein Ritual für Christen. „Er verrichtete sein Gebet“, heißt es manchmal. Allerdings verbinde ich mit „verrichten“ ganz andere Vorstellungen.

Eigentlich soll beim Beten doch gerade das möglich werden, was die anfangs erwähnten Menschen so schmerzlich vermissen: Begegnung und Kommunikation; Beten als natürlicher Ausdruck einer vertrauensvollen Beziehung. Wenn Gott existiert, dann ist es das Widersinnigste überhaupt, dass Menschen nicht daran interessiert sein sollten, mit ihrem Schöpfer in Beziehung zu treten. Oder dass es uns gleichgültig ist. Aber genau das scheint die Realität zu sein, die so schon in der Bibel beschrieben wird als das Urproblem des Menschen: Er hat diese Beziehung einseitig aufgekündigt und meint, auch allein, ohne Gott zurechtzukommen. Dementsprechend sieht es allerdings in unserer Welt auch aus.

Wer Christ wird, will genau das nicht mehr. Dem wird deutlich, dass der Mensch geradezu dafür geschaffen wurde, um mit Gott in Beziehung zu treten. Das ist sein Lebenssinn. Wer von Gott berührt wird, in dem wächst auch der Wunsch, ihn immer besser kennenzulernen. Er wird diese Beziehung suchen. Und das Gespräch.

Diese betend gelebte Gottesbeziehung hat eine ganz eigene, mit nichts zu vergleichende Qualität.  Sie soll und kann daher auch kein Ersatz sein für mangelnde zwischenmenschliche Beziehungen. Im besten Fall aber verbindet uns Menschen das Gebet auch untereinander. Auch in dieser Zeit. Auch in Präsenz. Das geht alles. Und ist so nötig.      

Unser Gebet für heute kann lauten:

„Jesus Christus, Erlöser, du Freund und Bruder, schenke mir, dich klarer zu erkennen, dich inniger zu lieben, dir stets vertrauend nachzufolgen.“

(Richard von Chichester, 1197-1253)

Herzlich grüßt Sie

Ihr Michael Striss, Kirchengemeinde Lieberhausen  

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Andacht zum Sonntag Kantate:  „Singen sprengt die Fesseln“

Der Spruch des Sonntags und der Woche lautet: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“ (Psalm 98,1). Eine Andacht von Markus Aust 

Hand aufs Herz! Sind wir nicht eher geneigt, die alte Leier anzustimmen: „Früher war alles besser, heute ist alles so schlimm, morgen wird es noch viel, viel schlimmer sein.“

Natürlich gehen wir gerade durch schwere Zeiten, die ich in keiner Weise klein reden möchte. Aber der Sonntag Kantate ermutigt uns, gegen die widrigen Umstände anzusingen und dabei zu erleben, wie die Ketten der Trostlosigkeit aufspringen und Trost und Mut einziehen.

Meine Lieblingsgeschichte dazu steht in der Bibel in Apostelgeschichte 16, 22-34: Paulus und Silas wurden „hart geschlagen“, weil sie vollmächtig das Evangelium verkündigt hatten. Man warf die Beiden, von Striemen und Wunden gezeichnet, ins Gefängnis und sperrte ihre Füße in einen Holzblock. Das heißt: Sie saßen absolut fest. Ihnen war massives Unrecht widerfahren; sie hatten übelste Schmerzen erlitten und konnten sich – an den Füßen fixiert – noch nicht einmal ihre Wunden verbinden.

Sie haben ihre Herzen im Gesang erhoben

Und jetzt kommt es: Was machen die Zwei? Sie hätten doch jetzt allen Grund zu klagen und zu fragen: „Herr, wie kannst Du so etwas nur zulassen? Wir sind doch in deinem Auftrag unterwegs!“ Tun sie aber nicht. Sondern das Gegenteil. Um Mitternacht fangen sie an zu singen und Gott zu loben. Ziemlich verrückt, oder? Aber gerade da liegt das Geheimnis: Äußerlich gebunden sind sie innerlich zu ihrem auferstandenen und erhöhten Herrn entrückt oder ver-rückt. Sie haben ihre Herzen zu ihrem Herrn und Gott im Gesang erhoben.

Dieses Wunder geschieht immer wieder beim Singen und ganz besonders beim Singen von Gottes- und Anbetungsliedern: Die Seele des Singenden wird über die schmerzlichen Umstände zu Gott erhoben.

Ich las von einem Gefängnisinsassen, der im Gefängnischor das Lied von Marius Müller-Westernhagen sang: „Freiheit, Freiheit ist die Einzige, die fehlt.“ Während er sang, war er schon frei, war er wieder zuhause bei seiner Familie, die ihm die Treue hielt.

Gott loben zieht nach oben

Singen sprengt die Fesseln. Gott loben zieht nach oben. Auf einmal stehen wir nicht mehr gefangen in den üblen Umständen, sondern frei vor unserem Herrn, der über unseren Umständen steht und uns als der gute Hirte da heraus führen wird. Wer´s glaubt, wird selig. In der Tat!

„Dankt unserm Gott, lobsinget ihm,

rühmt seinen Namen mit lauter Stimm;

lobsingt und danket allesamt.

Gott loben, das ist unser Amt.“

(Evangelisches Gesangbuch Nr. 288,5)

Es grüßt Sie herzlich,

Ihr Markus Aust, Pfarrer in der Ev. Kirchengemeinde Gummersbach

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Andacht zu Jubilate: Es muss ja alles gut werden 

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17). Eine Andacht zum dritten Sonntag nach Ostern von Uwe Selbach 

Der dritte Sonntag nach Ostern trägt den schönen Namen „Jubilate“! Auch ohne Lateinkenntnisse kann man ahnen, was es heißt: „Jubelt!“, „Jauchzet!“, „Freut Euch!“

Wie gerne würden wir das! Während ich diese Andacht verfasse, steigen die Inzidenzzahlen wieder an und weitere Einschränkungen stehen bevor. Zur Zeit würde ich – wenn ich wetten würde –  nicht hoch wetten, dass es am 25. April wieder entspannter aussieht… – „Jubelt“ ??

Nun orientieren sich die Namen der Sonntage ja – Gott sei Dank! – nicht am aktuellen Geschehen, sondern an der Ordnung des Kirchenjahres. Die Sonntage nach Ostern wollen auf ihre Weise das wunderbare Ostergeschehen vertiefen, tief einprägen und in uns verwurzeln, damit die Auferstehung Jesu Christi von den Toten das unerschütterliche Fundament unseres Glaubens bleibt: „Der HERR ist auferstanden! – ER ist wahrhaftig auferstanden!“

Vor diesem Hintergrund ist es spannend, den Wochenspruch für die kommende Woche zu lesen:

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)

Das ist doch eine ganz große Sehnsucht in uns: ein Neuanfang! Noch einmal neu durchstarten können! Das Alte hinter sich lassen und neu werden! – Wann haben Sie zuletzt von sich gesagt: „Ich fühle mich wie neugeboren“? Vielleicht nach einer überstandenen Operation, nach einem geglückten Sprung in einen neuen Lebensabschnitt, nach einer Befreiung aus Todesängsten?

Ich vermute, dass es bei den meisten schon lange her ist, dass sie so einen Satz jubilierend gerufen haben: „Ich fühle mich wie neugeboren!“ Gerade in dieser Pandemie habe ich den Eindruck, dass das Gegenteil viel tiefer an uns nagt. Da fühlt man sich alt und ausgebrannt. 

Der Apostel Paulus macht die „neue Kreatur“, die „neue Schöpfung“ nicht an unseren Erfahrungen und nicht am Zustand der Welt fest (erst recht nicht an Inzidenzzahlen), da gibt es wohl nicht viel Neues unter der Sonne…

Paulus macht das „neue Sein“ an Jesus Christus fest! In IHM ist das österliche Wunder der neuen Schöpfung schon Realität!  ER ist der „Erstling“ der neuen Schöpfung (1. Korinther 15). Der auferstandene Christus wird zum Vor-Bild für das Neue, das begonnen hat! Und wer sich wie ein Kind hinein begibt in die Hand des himmlischen Vaters (siehe das Bild von Dorothea Steigerwald), der folgt darin dem sterbenden Christus, der betet: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“

Und wer sich in diesem kindlichen Vertrauen dem Vater im Himmel anvertraut, der hat Anteil an der „neuen Schöpfung“! Der trägt wohl das Alte noch als spürbare und sichtbare Wunde an sich, aber er weiß auch um das neue Leben, in dem der Auferstandene uns vorangeht, er weiß um den neuen Himmel und die neue Erde, wohin wir unterwegs sind, er weiß um das neue Leben in Christus – schon hier und dereinst erst recht! Er weiß um die tiefe Wahrheit, die uns befreit und entspannt jubilieren lässt:

„Es muss ja alles gut werden, weil Christus auferstanden ist!“ (Sören Kierkegaard)

Das sind gute Gründe zum Danken und Loben. „Jubilate!“

Mit herzlichem Gruß,

Ihr Uwe Selbach

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Offene Kirche an Markttagen

Ab 9.Februar ist die Kirche für das Zur-Ruhe-kommen vor Gott, für das stille Gebet und für das Entzünden einer Kerze von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr geöffnet. In den folgenden Wochen immer dienstags und donnerstags von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr und mittwochs von 17:00-19:00 Uhr. Zur Zeit können Sie Bilder von Edith Fischer und Renate Dahmer in der Kirche bewundern

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Andacht:  Barmherzigkeit in der aufgeregten Gegenwart

Pfarrer Matthias Weichert schreibt zum zweiten Sonntag nach Ostern  

Der Wochenspruch (1. Petr 1,3) verspricht uns Hoffnung:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Ein Wort spukt mir durch den Kopf: Liebesentzug. Zu Hause ist es oft der Partner*in, der/ die einen erziehen möchte, sagt der Psychologe Manuel Tusch aus Köln. „Oder es sind die Kinder, die ihren Willen durchsetzen wollen. Da wir sie so sehr lieben, lassen wir uns gerne mal von ihnen auf der Nase herumtanzen.“ Ein typisches Beispiel ist auch die Manipulation der Schwiegermutter, die ihren Sohn gegen die Schwiegertochter auszuspielen versucht. “Sobald ein Mensch in Beziehungen zu anderen steht, kann er manipuliert werden“, erklärt Manuel Tusch. Wenn ein emotionales Band zwischen zwei Personen existiert, funktioniere es besonders gut. „Wenn ich jemanden sehr liebe, bin ich offen. Ebenso aber, wenn ich Angst habe oder abhängig von jemandem bin.“

Warum spukt mir das durch den Kopf? Weil in diesem Wochenspruch von der Liebe / Barmherzigkeit gesprochen wird, die Gott uns durch die Auferstehung Jesu schenkt. Gleichzeitig lebe ich in der aufgeregten Gegenwart, in der so viel Unvorhergesehenes passiert, viele Stimmen meinen unbedingt recht zu haben.

Durch Liebesentzug kann ich manipuliert werden, weil oft – wie beschrieben – unehrliche Motive Menschen leiten. Die innere heitere Gelassenheit des Glaubens an die Barmherzigkeit Gottes, die unter anderem auch Martin Heidegger ausführlich beschreibt, kann immun für Manipulation machen – Mich stimmt der Glaube an die unbedingte Barmherzigkeit Gottes gelassen, verleiht mir Selbstsicherheit – besonders in diesen aufgeregten Zeiten.

Die Botschaft von Ostern ist doch die, dass Gott uns so annimmt wie wir sind – wir diesem Gott vertrauen können, weil er nicht mit Liebesentzug manipuliert und zu uns in unserer Vorläufigkeit steht. Ostern und Auferstehung sind ja tatsächlich Aussagen, die der Rationalität entzogen sind, sie leben vom, dass Gott Möglichkeiten hat, die in unseren Erkenntnissen nicht vorkommen.

Wahrscheinlich schmunzelt Gott über unsere aufgeregten Diskussionen die wir über Versäumnisse in der Pandemiebekämpfung führen, über Kandidaturen um höchste Ämter, die als heftige Auseinandersetzungen geführt werden, versteht vielleicht nicht die Geheimnisse eines föderalen Systems. Sicher wünscht er aber uns die innere heitere Gelassenheit, die wir durch den Glauben an seine Barmherzigkeit gewinnen können.

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Andacht:  Gott als Schatz- und Perlensucher 

Pfarrer Michael Kalisch schreibt zum ersten Sonntag nach Ostern über ein besonderes Abenteuer 

Losung

Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran.
Psalm 62,11

Lehrtext

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Matthäus 6,21

Die Losung und der Lehrtext dieses Sonntags klingen wie Lebensweisheiten aus den Poesiebüchern vergangener Tage. Als solche möchte ich sie zunächst hören und bedenken:

Vom Schätze suchen und sammeln

Ja, wir Menschen sind Jäger und Sammler. Wir sind auf der Suche nach der Liebe unseres Lebens. Nicht wenige jagen unerschrocken und voller Herzblut ihrem großen Schatz nach. Unterhaltsam können wir an solcher Schatzsuche teilhaben, wenn wir an die Abenteuer von „Indiana Jones“ oder „Captain Jack Sparrow“ denken. Vielleicht können wir in diesen Abenteuern hintergründig auch wahrnehmen, was es mit uns Menschen machen kann, wenn wir uns gänzlich in der Schatzsuche verlieren.

Auch die Bibel erzählt an verschiedenen Stellen von uns Menschen als schatzsuchenden Abenteurern, die so manches Mal sich selbst, ihr Herz und ihr Lebensglück an ihren Schatz hängen. Ja, es geschieht gar nicht so selten, dass wir Menschen unser Herz verlieren, uns vergucken, verknallen oder verlieben. Unsere Sinne sowie Gedanken sind nun vollauf mit dem Objekt unserer Begierde beschäftigt, so dass alles andere in den Hintergrund gedrängt und nebensächlich wird.

Gib mir mein Herz zurück

Wie schmerzhaft kann es sein, wenn uns irgendwann bewusst wird, dass unsere Liebe nicht erwidert wird oder ins Leere läuft und wir tatsächlich unser Herz verloren haben. Herbert Grönemeyer singt in einem Lied davon, wie aus den Schmetterlingen im Bauch dann Flugzeuge werden und uns am Leben hindern. Er erinnert daran, wie wichtig es ist, im eigenen Herzen zu bleiben, sich das eigene Herz zurückzuholen, wenn er singt: „Gib mir mein Herz zurück, du brauchst meine Liebe nicht.“

In diesem Sinne hinterfragen und ermahnen die Losung und der Lehrtext: Achte darauf, woran Du Dein Herz hängst, es kann dich gefangen nehmen, dich derart binden, dass du dein Herz und deine Mitte verlierst.

Dir gehört mein Herz

Auf der anderen Seite erzählt die Bibel auch von Gott als Schatz- und Perlensucher, der sein Herz an uns Menschenkinder verloren hat (Matthäus 13,44-46). Die Kar- und Osterwoche erzählt die Geschichte eines Gottes, der alles tut, um uns Menschen nah zu sein, im Leben, im Sterben und darüber hinaus. Diese unbegreifliche und grenzenlose Liebe Gottes klingt für mich in einem Lied von Phil Collins an. Ich höre da Gott uns Menschenkindern zusingen: „Dir gehört mein Herz“ und ich spüre, wie das mein Herz anrührt und öffnet.

Mit dem Gebet Israels (Schma Jisrael, 5. Mose 6,4.5) werden auch wir eingeladen, seiner Liebe zu antworten, sie zu erwidern und in ihm den Schatz unseres Lebens zu finden: „Höre, Israel! Der Herr ist unser Gott, der Herr und sonst keiner. Darum liebt ihn von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller Kraft.“

Lied EG 454 „Auf und macht die Herzen weit“

1. Auf und macht die Herzen weit
    euren Mund zum Lob bereit!

    Refrain:
    Gottes Güte, Gottes Treu,
    sind an jedem Morgen neu.

6. Darum macht die Herzen weit,
    euren Mund zum Lob bereit!

Mehr von Michael Kalisch und aus dem Kooperationsraum „Bergneustadt, Derschlag, Lieberhausen, Wiedenest“: 

YouTube k4 gemeinsam Kirche an Dörspe und Agger

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Stilles Morgengebet – Einführung in christliche Meditation und Kontemplation

Für Menschen, die auf der Suche nach spiritueller Erfahrung sind, bietet die Evangelische Kirchengemeinde Gummersbach ein Morgengebet in der Stille an, immer dienstags und donnerstags von 8 bis 9 Uhr, unmittelbar vor der „Offenen Kirche“. Beginn ist am 9. März. 

Angeleitet durch Kurzimpulse von Pfarrer Markus Aust bietet sich die Gelegenheit, auf dem Weg der christlichen Meditation und Kontemplation zur inneren Sammlung und zur Begegnung mit Gott zu finden. Unter strenger Berücksichtigung der Hygiene-Vorschriften findet sich in der Gummersbacher Kirche genügend Platz, weiträumigen Abstand zu halten. Wer die Gebetszeit in einer Gebetshaltung am Boden verbringen möchte, bringe bitte eine Decke, Kissen oder einen Gebetshocker mit.

Anmeldungen an Pfarrer Markus Aust, markus.aust@ekgm.de, oder im Gemeindebüro, Tel. 02261 / 22133.

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Andacht zu Ostern

Andacht zu Ostersonntag: Wo wir den Lebenden finden

Eine Osterandacht zu Lukas 24,1-12 (Jesus Auferstehung) aus dem Krankenhaus Gummersbach von Pfarrerin und Krankenhausseelsorgerin Gabriele Bach 

Liebe Geschwister hier im Oberbergischen!

Das allererste Osterfest, so lesen wir es in den Evangelien, wurde also auf einem Friedhof gefeiert. Wobei – das Wort feiern wirkt eher fehl am Platz. Es beginnt ja alles sehr traurig, die Frauen gehen zum Friedhof und sind genauso traurig wie wir, wenn wir unsere Toten besuchen. Be-suchen – und oft genug ja auch suchen! So wie die Frauen damals Jesus gesucht haben.

Der ganze erste Teil der Ostergeschichte ist voller Traurigkeit, voller Sehnsucht, voller Ratlosigkeit und beim Anblick der Männer in glänzenden Kleidern auch noch voller Erschrecken. Und als sie dann die Botschaft hören von Kreuz und Auferstehung, da wirken sie auch eher nachdenklich – sie brechen nicht in Jubel aus sondern sie „gedachten an seine Worte“, steht hier.

Dann machen sie kehrt, gehen zurück zu den Jüngern, berichten ihnen, was sie erlebt haben. „Geschwätz“, sagen die Jünger. Typisch Frau. Viel Gefühl, keine klaren Gedanken, alles unlogisch. Petrus lässt sich immerhin dazu bewegen, mal selbst nachzuschauen. Vielleicht ist ja doch was dran? Er geht zum Grab, sieht die Tücher, geht wieder los und – wundert sich. Das wars.

Hallo? Wo ist denn hier bitteschön die Osterfreude? Das fröhliche Halleluja? Es scheint alles auf der Strecke geblieben zu sein. Es scheint ein weiter Weg zu sein von Jerusalem nach Galiläa, vom Tod zum Leben, vom Erschrecken bis zum Glauben, vom Wundern bis zum Jubel.

Ehrlich gesagt, ich bin heute froh über diese eher nüchterne nachdenkliche Ostergeschichte. Sie passt irgendwie besser, alles andere käme mir an diesem Ort und an vielen anderen Orten dieser Welt und auch in dieser Zeit ganz unpassend vor. Diese Geschichte überfordert mich nicht, sie ermöglicht mir, mir in aller Ruhe einen Platz in diesem Ostergeschehen zu suchen.

Gottesdienst am Ostermontag im Krankenhaus 

Und so freue ich mich, dass wir am Ostermontag im Krankenhaus Gummersbach mit drei Frauen einen ökumenischen Ostergottesdienst gestalten und die Osterbotschaft weitersagen dürfen. Und ich freue mich, dass ich dazu gehören darf, zu diesen suchenden, oft ratlosen und erschrockenen Osterfrauen. Auch meine Suche ist ja oft nicht erfolgreich, vielleicht suche ich den Lebenden auch oft am falschen Ort. Muss mich von heutigen Engeln wieder wegschicken lassen: Such woanders, hier ist er nicht.

Wo wir den Lebenden finden – das bleibt heute offen. Entscheidend ist, dass wir seit Ostern guten Grund dafür haben, weiterzusuchen. Hier und überall dort, wo das Leben über den Tod siegt. Amen.

Ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Ostertage. Und dass Sie nicht nur Ostereier finden. Aber die natürlich auch!

Ihre Pfarrerin Gabriele Bach

Gabriele Bach arbeitet als Krankenhausseelsorgerin am Klinikum Oberberg in Gummersbach und als Gemeindepfarrerin der Kirchengemeinde Ründeroth