Die Evangelische Kirchengemeinde Gummersbach lädt zu drei besonderen Abenden im evangelischen Gemeindehaus in Steinenbrück, Bickenbachstraße 5, Gummersbach ein.
Freitag, 4. März, 19 Uhr, Lyrikabend mit dem Thema „Ich bin vergnügt“
Mittwoch, 9. März 2022, 18 Uhr – Leseabend mit Autorin und Veeh-Harfinistin Silvia Lenzig
Freitag, 1. April 2022, 19 Uhr: Lyrikabend zu Themenjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“: Klezmer-Musik mit dem Klarinettisten Rolf Faymonville (von der Klezmer-Band Freylechs) aus dem Oberbergischen. Musik – Lyrik – Kunst
Der Eintritt ist frei.

„Zeit verrücken“ in verrückten Zeiten Theologische Impulse (109) von Dr. Thorsten Latzel, Präses
Als Kirche und Christ-/innen haben wir eine „ver-rückte“ Zeitrechnung: Der Tag beginnt um 18 Uhr, die Woche mit dem Sonntag und das Jahr mit dem Advent. Das geht zurück auf eine lange Geschichte, die etwa beim Tagesbeginn im Judentum gründet. Es hat zugleich eine große Bedeutung für den Glauben: In der Art die Zeit zu berechnen drückt sich auch aus, wie wir uns selbst verstehen. Dieses „Verrücken der Zeit“ kann unseren Blick heilsam verändern – gerade in einer Zeit, die viele Menschen als verrückt erfahren. Der Tag beginnt mit dem Abend und die Woche mit der Ruhe: Das ist ein heilsamer Akzent gegen Tendenzen zu Dauer-Aktionismus und Selbsterschöpfung. Kein Mensch, niemand kann dauernd arbeiten oder auch nur erreichbar bzw. online sein. Das Gerede von „24/7“ ist Mumpitz, ein gesundheitsgefährdender Irrsinn. Gerade in der Pandemie mit dem verstärkten Arbeiten und Lernen von zu Hause aus drohen heilsame Rhythmen und Grenzen zu zerfließen. Auch unsere permanente digitale Erreichbarkeit an jedem Ort zu jeder Zeit trägt dazu bei: „Ich schau‘ nur mal kurz nach, ob es wichtig ist.“ „Du hast drei neue Nachrichten“: Die kleinen roten Zahlen sind eigens so gemacht, mich zu konditionieren. Aus Sicht des Glaubens ist der Wechsel von Beten und Arbeiten, Tun und Lassen grundlegend. Und am Anfang steht bewusst das Loslassen, Empfangen, Ruhen: Der Tag beginnt mit dem Abend und die Woche mit dem Sonntag. Unser Leben ist uns gegeben, geschenkt, bevor wir irgendetwas dafür tun. Das hilft, anders in den Tag, in die Woche zu gehen. Mit dem Mystiker Meister Eckhart gesprochen: „Man muss gelassen haben, um gelassen zu sein.“

